Pfründe & Macht

Pfründe & Macht

Februar 24, 2018 Uncategorized 0

 

Seit mehr als 150 Tagen läuft auf Republikebene ein Schauspiel, das manche als üble Posse bezeichnen, andere als demokratisches Ringen um den besten Weg für Deutschland bezeichnen. Um den Weg, für den die Wähler den Parteien den Auftrag erteilt haben. Angeblich!

Die Wahrheit dürfte, wie meistens, irgendwo dazwischenliegen. Ganz sicher gibt es unter den Gewählten solche, denen Politik eine auf ausschließlich auf das Gemeinwohl gerichtete Herzenssache ist, ebenso sicher gibt es solche, die Gemein- und Eigenwohl bestens zu vereinbaren wissen; hin und wieder kommt einem dann auch der Verdacht, dass es nur noch darum geht, die eigene Rolle in der politischen Landschaft zu sichern, möglichst gut pekuniär gepolstert.

Sei es wie es sei, richtig rund läuft da in Berlin und anderen Hauptstädten unserer föderalen Republik wahrnehmbar nichts. Und grundfalsch ist die Behauptung, dass die Wähler den Parteien den Auftrag zur Regierungsbildung gegeben haben. Jedenfalls nicht unter Aufgabe der eigenen Grundsätze.

Ich selbst, diese Aussage dürfte allgemein zutreffend sein, habe meine Partei mit der Zielrichtung gewählt, dass sie mein Programm in eine mögliche Regierungsbildung einbringt, bis zu einem erträglichen Maße Kompromisse eingeht oder, wenn der Verzicht auf eigene Positionen zu schmerzhaft wird, in die Opposition geht.

150 Tage haben gezeigt, dass ganz andere Faktoren zu dem führen, was am Ende eine funktionsfähige Regierung ergeben soll: Pöstchen werden nach einem undurchschaubaren Schlüssel vergeben, der Schwächere stellt die einflussreicheren, der Wähler hat gesprochen?

Auch wenn sich das Drehbuch zu diesem Theaterstück alle paar Jahre nur geringfügig ändert, hoffe ich immer wieder, dass sich zumindest die wesentlichen, die überlebenswichtigen Positionen in den Zukunftsverträgen der Koalitionäre finden:

Dass die Grundstückspreise auf Sylt in nicht allzu ferner Zeit drastisch fallen werden, würde mich nicht weiter irritieren, wenn Sylt weiter existieren würde. Ähnlich verheerende Folgen wie die Klimakatstrophe werden schon kurzfristiger eintreten, wenn das nächste Atomkraftwerk in die Luft fliegt …. Bei Tschernobyl hatten wir in Deutschland noch günstigen Wind, der bei einem Tihange-Gau große Teile Deutschlands in ein Sperrgebiet umwandeln würde, was viele Menschen zu Flüchtlingen machen würde, die hoffentlich weniger feindselig empfangen werden würden.

Aber es gibt auch Greifbareres, was uns beschämen sollte: Die Zahl der Armen in unserem zumindest materiell reichen Deutschland wächst weiter, ebenso die Anzahl der Kriegsschauplätze, die wir mit Waffen, Soldatinnen und Soldaten versorgen.

Und auf keinen Fall zu vergessen: Das schändliche Dritte Reich feiert seine Wiedergeburt. Tag für Tag machen die rechten Hetzer mit übelsten Parolen, die den damaligen Reichspropagandaminister mit Stolz erfüllt hätten, Stimmung gegen alles, was nicht ihrer dumpfen Gesinnung entspricht. Geistige kollaborieren optimal mit sonstigen Brandstiftern, Deutschland döst den Schlaf des satten Bürgers, der sich bestenfalls räkelt, wenn die furchtbare Aussicht besteht, dass er seinen Diesel den einen oder anderen Tag nicht in den verpesteten Innenstädten bewegen darf.

Eine Geschichte ohne Ende. Eine Geschichte, in der Geld und unser Scheinwohlstand, Macht und die Sicherung von Pfründen wichtiger zu sein scheinen als die Sicherung unserer Zukunft.

Damit fangen wir und damit die Politik, da wir die Politik sind, wohl erst an, wenn Sylt nicht mehr zu sehen ist …. dann dürfte es allerdings zu spät sein.

Bild Michael Falke

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